Technischer Leitfaden von Arvin, METRAVON Instruments — geprüft im September 2026
Ein 26-GHz-Radar-Füllstandmessgerät kann Flüssigkeiten und Schüttgüter berührungslos erfassen. Die Frequenz allein entscheidet jedoch nicht über die Messqualität. Maßgebend sind Medium, Behältergeometrie, Stutzen, Einfüllstelle, Antenne und die geforderte Messaufgabe. Dieser Leitfaden beschreibt Auswahl, Montage und eine systematische Diagnose von Messwertsprüngen und Echoverlust.
Geeignete Anwendungen
Typische Einsatzfälle sind Wasser, Abwasser, Öle, geeignete Chemikalien sowie Getreide, Pulver und Granulate. Voraussetzung ist ein ausreichend freier Strahlengang und ein belastbares Produktecho über den gesamten Messbereich. Bei sehr kleinen Stutzen oder vielen Einbauten kann ein 80-GHz-Gerät mit engerem Strahl vorteilhaft sein.
Erforderliche Auslegungsdaten
- Behälterhöhe, Durchmesser, Dach- und Bodenform sowie minimaler und maximaler Betriebsfüllstand.
- Medium, dielektrisches Verhalten, Korngröße oder Viskosität, Schaum, Staub und Dampf.
- Prozesstemperatur, Druck, Werkstoffverträglichkeit und Ex-Zonen-Einstufung.
- Stutzendurchmesser und -länge, Einfüllstrom, Leitern, Rohrleitungen und Rührwerke.
- Versorgung, 4–20 mA, HART oder RS-485 sowie Alarm- und Leitsystemanforderungen.
Antenne und Prozessanschluss
Die Antenne wird nach Reichweite, Oberfläche und Strahlgeometrie ausgewählt. Ein langer, enger Metallstutzen kann starke Nahbereichsechos erzeugen. Zulässige Stutzenmaße und die vorgeschriebene Antennenposition sind deshalb für das konkrete Gerät zu prüfen. Bei korrosiven Medien müssen alle medienberührten Werkstoffe und Dichtungen geeignet sein.
Montageort und Strahlengang
Das Gerät gehört weder in den Einfüllstrom noch direkt über Einbauten. Der gesamte Strahlkegel bis zum niedrigsten Füllstand muss frei bleiben. Bei Schüttgütern sollte die Antenne auf einen repräsentativen Oberflächenbereich und nicht ausschließlich auf Schüttkegel oder Austragstrichter ausgerichtet werden.
Referenz, Messbereich und Störechos
Vor einer Störechoausblendung werden Referenzpunkt und Behälterbereich korrekt eingetragen. Eine Echokurve bei leerem oder unabhängig bekanntem Füllstand dient als Ausgangsbasis. Danach werden Kurven während Befüllung und Entleerung verglichen. Nur bestätigte feste Echos dürfen ausgeblendet werden.
Ursachen für Messwertsprünge
Häufig wechselt die Auswertung zwischen Produktecho und einem Echo von Stutzen, Wand, Einfüllstrom oder Anhaftung. Weitere Ursachen sind Kondensat, ein schwaches Produktecho, ungeeignete Dämpfung oder eine falsche Umrechnung von Abstand in Füllstand.
- Tatsächlichen Füllstand, Versorgung und Gerätestatus prüfen.
- Rohabstand, Echostärke, Diagnose und Stromausgang gleichzeitig vergleichen.
- Antenne, Stutzen und Strahlengang kontrollieren.
- Echokurven bei ruhigem und bewegtem Füllstand vergleichen.
- Jeweils nur eine Einstellung ändern und das Ergebnis dokumentieren.
Signale und Systemintegration
4–20 mA eignet sich als robuster Hauptmesswert. HART ergänzt Parametrierung und Diagnose auf derselben Schleife. RS-485 mit Modbus RTU benötigt eine saubere Busstruktur, Terminierung, Adressierung und Registerzuordnung. Für eine Cloud-Anbindung ist zusätzlich ein PLC, RTU oder Industrie-Gateway erforderlich.
Inbetriebnahme und Abnahme
Zu prüfen sind niedrige, mittlere und hohe Füllstände sowie maximale Befüll- und Entleerraten. Echoverlust, Fehlerstrom, Alarme und die Anzeige im Leitsystem werden ebenfalls getestet. Einstellungen, Echokurven und Montagefotos bilden die spätere Wartungsreferenz.
Häufig gestellte Fragen
Misst Radar direkt die Masse?
Nein. Radar misst Abstand beziehungsweise Füllstand. Für Masse werden Behältergeometrie und belastbare Dichtewerte oder ein Wägesystem benötigt.
Kann 26-GHz-Radar Pulver messen?
Ja, wenn Antenne, Reichweite, Staub und Oberflächengeometrie ein ausreichendes Echo ermöglichen.
Wann ist 80 GHz sinnvoll?
Wenn enger Strahl oder kleiner Anschluss einen klaren Vorteil bieten und das konkrete Gerät die Prozessanforderungen erfüllt.
Reicht ein erfolgreicher 4–20-mA-Test?
Nein. Auch Messung, Echokurve, Umrechnung und kompletter Signalweg müssen geprüft werden.
