Anwendungsleitfaden von Arvin, METRAVON Instruments — geprüft im September 2026
80-GHz-Radar eignet sich häufig für Nassschächte, Pumpstationen, Schlammbehälter und offene Gerinne. Die Auswahl darf aber nicht allein über die Frequenz erfolgen. Schaum, Kondensat, Turbulenz, enge Bauwerke und die gewünschte Pumpen- oder Alarmfunktion müssen gemeinsam bewertet werden.
Messaufgabe eindeutig festlegen
- Nassschacht: Pumpenstart, Pumpenstopp, Wechselbetrieb und Überlaufschutz.
- Schlammbehälter: kontinuierlicher Trend und Kapazitätsschutz bei unruhiger Oberfläche.
- Chemikalienbehälter: Werkstoffverträglichkeit, Lüftung und Ex-Schutz.
- Offenes Gerinne: stabiler Pegel am definierten Bezugspunkt für die Durchflussberechnung.
Vorteil des engen Strahls
Der enge Strahl kann Wände, Leitern, Kabel und Rohrleitungen in kompakten Schächten besser vermeiden. Kleine Antennen passen in begrenzte Anschlüsse. Stutzenechos, Schaum und Kondensat bleiben dennoch reale Einflussgrößen und müssen am ausgewählten Modell geprüft werden.
Schaum, Kondensat und Turbulenz
Dichter Schaum kann das Signal dämpfen oder als scheinbare Oberfläche erscheinen. Über warmem Abwasser kann sich Wasser auf einer kühleren Linse niederschlagen. Ein Zulauf oder Pumpenwirbel erzeugt eine schnell bewegte Oberfläche. Die Echokurve muss deshalb im ungünstigsten Betriebszustand kontrolliert werden.
Montageposition
Die Antenne wird über einer repräsentativen freien Oberfläche und nicht über dem Zulauf montiert. Der Strahlengang bis zum niedrigsten Pegel ist anhand einer Schnittzeichnung zu prüfen. Der Stutzen muss innerhalb der zulässigen Abmessungen liegen und Wasser von der Linse ablaufen können.
Werkstoffe und Standortanforderungen
Abwasser ist keine vollständige chemische Spezifikation. Linse, Dichtung, Anschluss und Gehäuse sind gegen Gase, Reinigungsmittel und Korrosion zu prüfen. Schutzart, Umgebungstemperatur und Ex-Zulassung müssen zum tatsächlichen Montageort passen.
Einbindung in die Pumpensteuerung
Schaltpunkte ergeben sich aus Schachtvolumen, Zufluss, Pumpenleistung und Mindestlaufzeit. Eine geeignete Hysterese verhindert häufiges Schalten, darf aber den Überlaufalarm nicht verzögern. Pegel, Pumpenstatus, Motorstrom und Durchfluss sollten gemeinsam ausgewertet werden.
Signal und Datenqualität
Richtung und Grenzen des 4–20-mA-Signals sowie Fehlerstrom und Schleifenlast sind zu prüfen. Bei HART oder Modbus werden Adresse, Einheit, Aktualisierungszeit und Qualitätsstatus dokumentiert. Nach Kommunikationsausfall darf ein alter Wert nicht als aktuell angezeigt werden.
Inbetriebnahme und Abnahme
- Abmessungen, Referenz, Montage und Werkstoffe prüfen.
- Echokurven bei unabhängig bekannten Pegeln speichern.
- Spitzenzufluss, Belüftung, Schaum und Kondensat testen.
- Pumpenfolgen, Alarme und Echoverlust durch den gesamten Signalweg prüfen.
- Einstellungen und Kurven als Wartungsbasis sichern.
Häufig gestellte Fragen
Kann Radar Schlamm messen?
Es kann die obere Oberfläche verfolgen, wenn ein klares Echo vorhanden ist. Schaum und Gas können die erkannte Oberfläche verändern.
Ist Radar völlig unempfindlich gegen Schaum?
Nein. Wirkung und Messoberfläche hängen von Struktur, Feuchte und Dicke des Schaums ab.
Ist ein unabhängiger Hochalarm erforderlich?
Das entscheidet die Risikobewertung. Kritischer Überlaufschutz profitiert häufig von einem separaten Gerät und Signalweg.
Wie werden Aussetzer untersucht?
Rohes Echo und Gerätestatus werden mit Schaum, Kondensat, Zulauf und Pumpenbetrieb verglichen, bevor Filter geändert werden.
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Abnahmekriterien für Abwasseranlagen
Die Abnahme sollte mindestens ruhigen Pegel, Pumpenstart, Pumpenstopp, Zulauf mit Schaum sowie den Fehlerfall bei Echoverlust umfassen. Für jeden Zustand werden Referenzpegel, Radarwert, Echoqualität, 4–20-mA- oder Buswert und SPS-Anzeige gemeinsam protokolliert. Bei offenen Gerinnen ist zusätzlich zu bestätigen, dass der Messpunkt hydraulisch geeignet ist. Erst wenn Messwert, Pumpenlogik und Überlaufalarm unter denselben Bedingungen übereinstimmen, ist die Integration belastbar.
