Die Wahl zwischen 80- und 26-GHz-Radar darf nicht auf die Regel „höhere Frequenz ist immer besser“ reduziert werden. Die Frequenz beeinflusst Antennengröße und Strahlbreite. Für die Messstabilität sind jedoch auch Gerätedesign, Medium, Stutzen, Reichweite, Einbauten und Inbetriebnahme entscheidend.
Technisch relevante Unterschiede
80-GHz-Radar bietet meist einen engeren Strahl und eine kleinere Antenne. 26-GHz-Radar kann in einer offenen, bewährten Montage weiterhin die passende Lösung sein. Vergleichen Sie konkrete Modelle und Antennen, nicht nur die Frequenzzahl.
Behältergeometrie und Strahl
Ein enger Strahl hilft, Wände, Leitern, Heizschlangen und Rührwerke zu meiden. Er beseitigt jedoch keine Reflexion eines zu langen Stutzens. Zeichnen Sie den Strahlkegel bis zum niedrigsten Füllstand und prüfen Sie alle Hindernisse.
Stutzen und Prozessanschluss
Ein kleiner Anschluss kann für 80 GHz sprechen, dennoch müssen Durchmesser und Länge zum Modell passen. Ein 26-GHz-Gerät mit geeigneter Hornantenne arbeitet zuverlässig, wenn genügend freier Raum vorhanden ist.
Staub, Dampf, Schaum und Kondensat
Radar reagiert meist weniger auf Gasbedingungen als Ultraschall. Dichter Staub, bestimmte Schäume oder Wasser auf der Linse können die Signalreserve trotzdem verringern. Keine Frequenz ist ohne Anwendungsprüfung gegen alle Bedingungen unempfindlich.
Flüssigkeiten und Schüttgüter
Bei Flüssigkeiten sind Dielektrizitätszahl, Turbulenz und Schaum wichtig. Bei Schüttgütern zählen Schüttwinkel, seitliche Befüllung, Staub und Anhaftung. Der enge Strahl erfasst eine lokale Fläche, die nicht immer das mittlere Volumen abbildet.
Reichweite und Nahbereich
Prüfen Sie Reichweite und Nahbereich für die gewählte Antenne und das Medium. Der maximale Füllstand braucht Sicherheitsabstand; beim minimalen Füllstand muss ein ausreichendes Echo bleiben. Katalogreichweiten gelten nicht für jedes Medium gleich.
Signal und Sicherheit
4–20 mA, HART oder RS-485 müssen zum Leitsystem passen. In Ex-Bereichen sind Zertifikat und Schutzart mit der Zone abzugleichen. Werkstoffe, Temperatur, Druck, Kabeleinführung und Erdung gehören ebenfalls zur Auswahl.
Praktische Auswahlregeln
- Kleiner Stutzen oder viele Einbauten: 80 GHz zuerst bewerten.
- Stabil laufende 26-GHz-Anlage: nicht ohne messbaren Vorteil ersetzen.
- Starker Staub oder Schaum: Prozessversuch oder belastbare Referenz verlangen.
- Bestandsmessung: Geometrie und Dichte zusätzlich verifizieren.
Abnahmeprüfung
Vergleichen Sie niedrige, mittlere und hohe Füllstände mit einer unabhängigen Referenz. Beobachten Sie Befüllen, Entleeren und den kritischsten Zustand. Speichern Sie Echokurven und prüfen Sie Echoverlust, Alarme, Fehlerstrom und SPS-Skalierung.
Häufig gestellte Fragen
Ersetzt 80 GHz jedes 26-GHz-Gerät?
Nein. Stutzen, Reichweite, Werkstoffe, Zertifikat und Schnittstellen müssen neu geprüft werden.
Welche Frequenz eignet sich für Silos?
Höhe, Staub, Oberflächenform, Befüllstelle und Antenne entscheiden gemeinsam.
Was ist das endgültige Kriterium?
Stabile Verfolgung im realen Zyklus mit dokumentierter Echokurve und Referenzfüllstand.
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Autor: Arvin · Quelle: METRAVON Instruments
Entscheidung mit einer Anwendungsmatrix
Für die Entscheidung werden Anschlussgröße, Behälterdurchmesser, Einbauten, Messbereich, Dielektrizitätszahl, Staub, Kondensat und Ablagerung je Messstelle bewertet. 80 GHz erhält Priorität bei engem Raum und vielen Hindernissen; 26 GHz bleibt sinnvoll, wenn eine offene Geometrie, passende Antenne und belastbare Felderfahrung vorliegen. Die Auswahl wird anschließend durch Echokurve und Referenzmessung im ungünstigsten Betriebszustand bestätigt. So entsteht eine technische Entscheidung statt einer pauschalen Frequenzregel.
